C & R - Kanurennsport und Rudern
Das Projekt „C&R (Canoe & Rowing)“ untersucht die unterschiedlichen Schwerpunkte der beiden Wassersportarten der Sportschule Potsdam, Kanu und Rudern. Die Gruppe hat sich in drei „Schwerpunktgruppen“ geteilt. Die Gruppe „Rudern“ versucht in der Projektwoche, unwissenden Personen die Sportart Rudern näher zu erklären und das weit verbreitete Vorurteil „ Rudern ist doch das mit Paddeln, das ist doch nicht schwer!“ richtig zu stellen. Anhand von Filmen, Fotos oder Interviews von und mit Aktiven, Trainern und Ehemaligen versuchen sie dieses Vorhaben umzusetzen.
Die Gruppe „Material im Kanurennsport“ möchte herausfinden, ob materialbedingte Unfälle, wie der Paddel-Bruch von Sebastian Brendel im WM-Finale 2011 wirklich Materialfehlern zuzuschreiben sind. Mithilfe von Trainern, Athleten und Diagnostikern untersuchen sie die historische Entwicklung des Materials (Boote/Paddel) im Kanurennsport.
Die dritte Gruppe „Kanutechnik“ beschäftigt sich mit der Nutzung von multimedialen Hilfsmitteln im Trainingsalltag des Kanurennsports. Sie überprüfen die Möglichkeiten zur Verbesserung der Technik im Nachwuchsbereich, die alten Aufnahmen von Trainingseinheiten der ehemaligen, erfolgreichen Olympioniken des Kanuclubs Potsdam zur Hilfe zu ziehen. Mithilfe ihrer Trainer versuchen sie, diese Möglichkeit direkt an ihrer eigenen Person zu testen.
Bodo Schacher
Weitere Berichte aus der Gruppe
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"Das Bitterste, was überhaupt passieren kann..."
... sagt Canadier -Trainer Kay Vesely nach dem Paddelbruch von Sebastian Brendel bei den Kanu-Weltmeisterschaften in Szeged 2011. Der Athlet galt als Topfavorit im Einer- Canadier über die 1000 Meter Strecke. Er, der Trainer und das ganze Team rechnete mit einer Medaille, aber der scheinbar leicht zu erreichende Traum zerplatzte nach nur wenigen Paddelschlägen. „Die Gefahr, dass so etwas passiert, ist äußerst gering. Meistens passiert so etwas bei neuen Paddeln.“ , kommentiert Brendels Trainer. Das Paddel jedoch war schon ein Jahr im Einsatz. Nun stellt sich die Frage wie es zu dieser Niederlage kommen konnte. Schulintern versuchen dies zwei unserer Schüler, die Kanurennsport selber betreiben, zu ergründen. In der Projektwoche befassen sie sich mit der Materialentwicklung bezüglich der Boote und Paddel. Sie werden mit Trainern, Diagnostikern und erfolgreichen Stützpunktathleten via Internet Recherchen zur fortschrittlichen Veränderung der Boots- und Paddelform durchführen. Das Highlight der Woche wird ein Besuch und eine damit verbundene Führung von Dirk Böhme im Forschungsinstitut für die Entwicklung von Sportgeräten (FES) sein. Die Schüler werden erfahren, wie, wo & warum das Material eingesetzt und verbaut wird und den Unterschied zwischen guten oder schlechten Werkstoffen kennenlernen, um mit diesem erworbenen Wissen selbst einschätzen zu können, welche Umstände zu solch einem schwerwiegenden Ereignis, wie bei Sebastian Brendel führen. Nach dem eigenen Forschen wollen sie die Ergebnisse ihrer Gruppe vorstellen, indem sie in die Bootshalle des Kanustützpunktes gehen und dort Vergleiche zwischen traditionellen und aktuellen Booten und Paddeln ziehen. Am Ende der Woche kann jeder Projektteilnehmer sich im Paddeln versuchen und erkunden, welche Auswirkungen das unterschiedliche Material hat.
Ein Film entsteht
Die Projektgruppe „Rudern“ hat sich aus der ursprünglichen Gruppe „ Kanu&Rudern“ herausgebildet. Die Crewmitglieder Marian Bruck, Amanda Kreis, Ilona Mann, Jessika Fuhr, Franziska Kreutzer, ihres Zeichens selber Ruderer und ein Judoka, Philip Galandi, möchten mit ihrem Projekt endlich das Vorurteil „ Rudern, das kann doch jeder, so ein bisschen rumpaddeln!“ aus der Welt zu schaffen. Anhand ihres selbst gedrehten und bearbeiteten Films erläutern sie das Rudern für Leute, die nicht in der Materie stehen.
Ebenfalls wollen sie zeigen, dass zum Rudern eben nicht nur das „Rudern“ als Fortbewegung gehört, sondern dieser Sport auch noch viele andere Seiten beherbergt. Es werden Aktive, Trainer und Ehemalige mit selbst erarbeiteten Fragebögen ausgestattet, um diese dann ebenfalls zur Erklärung zu nutzen. Da das große Thema, der Vergleich zwischen Kanu und Rudern, ursprünglich zur Debatte stand, hat sich die Gruppe auch hier etwas Besonderes ausgedacht: Sie haben Sportler, die bereits in beiden Sportarten aktiv waren, zu Vor-und Nachteilen und zu Beweggründen, die Sportart zu wechseln interviewt.
Wenn der Gruppe am Ende noch genügend Zeit zur Verfügung steht, dann versuchen sie ebenfalls noch einen Vergleich zu den unterschiedlichen Abläufen von Wettkämpfen im Kanu und im Rudern zu ergründen. Somit bewegen sie sich also auf den Spuren ihrer Sportart, bilden sich auf diesem Gebiet weiter und schaffen damit dies, was eine Eliteschüle des Sports von ihren Schülern verlangt: Sport und Schule in Einklang zu bringen und miteinander zu verbinden. Und das werden sie schaffen, sofern es ihnen gelingen sollte, ihre Pläne in die Tat umzusetzen.
Im Forschungslabor
Die beiden Kanuten
Christopher Rybarz und Tobias Werder hatten am Mittwochvormittag die
Möglichkeit, im Rahmen ihres Themas „Entwicklung des Materials im
Kanurennsport“, eine Exkursion nach Berlin-Köpenick ins Institut für Forschung
und Entwicklung von Sportgeräten, kurz FES, durchzuführen. Die FES ist ein
staatliches Institut, welches im Auftrag der Dachverbände der Sportarten
Rudern, Kanu, Leichtathletik, Segeln, Bob, Eisschnelllauf, Radsport, Triathlon,
Schwimmen, Skeleton/Schlitten und Ski Untersuchungen an sportartspezifischen
Problemen durchführt und versucht diese mithilfe neuester Technik zu lösen, um
damit bestmöglichste Bedingungen für deutsche Spitzensportler zu schaffen. Aufgrund der Finanzierung durch das
Bundesinnenministerium stehen dadurch Gelder zur Verfügung, die dem deutschen
Spitzensport direkt zu Gute kommen, da die von FES entwickelten Geräte und
Techniken ausschließlich von deutschen Nationalmannschaften genutzt werden
dürfen. Neben den hochwertigen Geräten, die aus den optimalen Materialien
hergestellt werden, entwickelte das Institut aber auch diverse Rechen- und Messtechniken
um die Trainings-und Wettkampfleistungen der Sportler immer weiter zu
verbessern.
Man kann also von einem echten Forschungslabor sprechen, da alles auf Erfahrungen beruht bzw. mithilfe selbst entwickelter Techniken gefertigt wird. Genau aus diesem Grund war es uns auch nicht gestattet, zu fotografieren bzw. zu filmen. Aber trotz aller Geheimhaltungsauflagen gelang es Christopher mit Frau Kühnes Hilfe, einen Termin bei Chefentwickler der Abteilung Kanu, Dirk Böhme, zu vereinbaren.
Mit dem Zug ging es dann also am Mittwoch in Richtung Tabbert-Straße. Dort erwartete uns der Gastgeber schon. Wir wurden nochmals auf die Geheimhaltung hingewiesen, um dann mit der lang ersehnten Führung zu starten. Wir starteten unseren Rundlauf im Physiklabor, indem jedes verbaute FES-Teil, und sei es die kleinste Schraube oder Naht, auf „Herz und Nieren“ überprüft und damit getestet wird, ob es überhaupt genutzt werden kann. Als nächstes wurden wir die „heiligen“ Werkstätten geführt. Von diesen gab es drei an der Zahl: Die Forschungswerkstatt Chemie, Metall und Kunststoff. Die letztgenannte war für uns Wassersportler natürlich die interessanteste, da hier der Bau der Boote (welche ja aus Kunststoffen wie Carbon oder Kevlar bestehen) erprobt und vollzogen wird. Herr Böhme erklärte uns die unterschiedlichen Herstellungsverfahren von Bootskörpern und Paddeln und sogar den ein oder anderen Trick. Auch auf die Frage, ob ein Unfall, wie der Paddelbruch von Sebastian Brendel bei der WM 2011, mit Materialfehlern begründet werden könne, wusste er eine Antwort. Er erklärte uns, dass die Paddel immer dünner und leichter werden müssen und die Stabilität dadurch, trotz aufwendiger optischer und mechanischer Kontrolle bei den Herstellern, irgendwann nicht mehr auf Ewigkeit garantiert werden könne. Deshalb empfehle er, ein Paddel nicht länger als ein Jahr zu nutzen, damit die Wahrscheinlichkeit für einen solch tragischen Zwischenfall so gering wie möglich gehalten werden kann.
Am Ende unseres Rundgangs hatte Herr Böhme noch eine Überraschung parat. Er stellte uns den Chef-Konstrukteur (Name dem Autor bekannt) der FES vor, welcher unter anderem schon die Bobs von Andre Lange konstruierte. Dieser zeigte uns seinen Arbeitsplatz, der erstaunlicherweise nur noch aus einem überdimensional großen Computer mit mehreren Monitoren bestand. Aber die Arbeitsumgebung von Herr Böhme selbst sollte sich als nicht anders darstellen. Auch er entwirft seine Kanus nur noch am Computer (und testet sie später im Wasserkanal). Er zeigte uns noch ein paar Clous seiner Entwicklungssoftware und dann ging er auf die Fragen der beiden Kanuten, nach der historischen Entwicklung der Boote, ein. Dann hatte er auch schon seinen nächsten Termin und musste uns verabschieden. Wir bedankten uns nochmal vielmals für die Ermöglichung dieses nicht selbstverständlichen Termins und fuhren dann wieder Richtung Potsdam. Auf der Zugfahrt wurde die Führung nochmal ausgewertet und wir kamen zu dem Schluss, dass wir wirklich eine Menge gelernt haben und daraus auch sehr viel für unseren Sport mitnehmen können. Vielen Dank auch an dieser Stelle nochmal an Dirk Böhme und Frau Kühne!
Ein gelungenes Projekt
Tobias und Chris hatten sich diese Woche das Ziel gesetzt, ein wenig mehr über die Historie von Materialien und Techniken im Kanurennsport zu erfahren, um damit prüfen zu können, ob ein Unfall, wie der Paddelbruch ihres Vereinskameraden Sebastian Brendel, einem Materialfehler zugeschrieben werden kann oder nicht. Sie forschten die ganze Woche über in Archiven, im Bundestützpunkt, fragten Aktive, Ehemalige und Trainer und unternahmen eine Exkursion ins Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Sportgeräte in Berlin, kurz FES. Dort hatten sie den Großteil ihrer Recherchen, da sie mit dem Chefentwickler der Abteilung Kanu natürlich einen echten Experten zu Rat ziehen konnten. Am Donnerstag präsentierten sie ihre Ergebnisse der gesamten Projektgruppe „ Kanu& Rudern“. In einem halbstündigen Vortrag informierten sie vor den Toren des Kanuclubs ihre Kommilitonen über die Entwicklung der beiden Kanuboote Kajak und Canadier im Laufe der Zeit. Sie nannten Gründe und Vorteile der Weiterentwicklungen und zogen nochmal den extrem Vergleich zwischen dem ältesten und dem neusten Boot auf dem Markt. Beeindruckt zeigten sich die Zuhörer und quittierten die Arbeit des Duos mit einem anhaltenden Applaus. Die beiden Referenten wirkten während ihres Vortrags wie echte Experten, was, wie bereits erwähnt, einerseits am Besuch bei FES, aber anderseits auch- ihren eigenen gesammelten Erfahrungen im Kanu zuzuschreiben ist. Als sich die Aufregung nach dem Vortrag gelegt hatte, ließen die beiden ihre Arbeitswoche noch einmal Revue passieren und stellten fest, dass sie eigentlich nur von positive Erlebnissen und Eindrücken berichten können. Ihrer Meinung nach konnte man sich auf einem Gebiet weiterbilden, was sie wirklich bewegte und über das man sich auch unbedingt informieren mag. Man verbindet schulische mit sportlichen Aufgaben und lernt aus beiden. Besonders gut empfanden die beiden den Besuch im FES-Institut, in das man ohne die Schule wahrscheinlich nie Zutritt bekommen hätte. Aber auch das hohe Maß an geforderter Eigeninitiative beeindruckten die beiden Sportler, die aufgrund des Selbststudiums ihre Arbeitszeiten so legen konnten, dass sie trotzdem noch genug Zeit zum trainieren zur Verfügung. Lediglich die morgendlichen Anfangszeiten störten sie ein wenig, da sie als Strecker gewohnt sind, deutlichen später zu beginnen. Aber aufgrund der vielen gesammelten positiven Eindrücke, haben sie sich auch davon nicht stören lassen und drüber hinweggesehen. Erfreut über die Wochenarbeit ihrer Schützlinge zeigten sich auch die projektbetreuenden Lehrerinnen Frau Kühne und Frau Schiwy, die die Leistungen noch entsprechend honorieren wollen.
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